Sonntag, 18. Mai 2008

Oxapampa und die verlorene Jugend oder die Auswirkungen eines zentralisierten Perus

Nun bin ich schon fast einen Monat hier in Oxapampa (wie die Zeit vergeht!). In dieser Zeit habe ich kaum Leute in meinem Alter getroffen. Ich wunderte mich sehr. Nun ist es so, dass die meisten Jungen Oxapampinos nach dem Colegio (mit ca. 17/18) nach Lima studieren gehen, da die meisten Studiengänge nur dort angeboten werden und die wenigen Studiengänge an der UNi Oxapampa (Agro, Viehwirtschaft, Lebensmittel- und Umweltwissenschaften) relativ tiefes Niveau haben. Es ist anzunehmen, dass viele auch nach dem Studium in Lima weiterleben/-arbeiten werden, da die Zukunftsaussichten und -möglichkeiten in Oxa nicht gerade überwältigend sind. "Brain Drain" par exellence. Ein gravierender Effekt der grassierenden Zentralsisierung in Peru in seinem Wirtschaftsmittelpunkt Lima.
Daraus folgt, dass unter dem Jahr kaum Junge in OXa anzutreffen sind. Die Oxapampinos bleiben aber trotzdem sehr eng mit ihrem Heimatort verbunden, wie dieses Wochenende eindrücklcih gezeigt hat: aufgrund des Gipfeltreffens waren in Lima 4 Feiertage angesagt und die jungen exil-Oxapampinos strömten in Scharen zurück an ihren Ursprungsort. Was für ein Derby! Ein Ereignis welches mir meine zwei besten Ausgänge beschert hat seit ich hier bin (SA bis 11 uhr mittags, SO bis 07.00 ;-) praktisch alle kennen sich irgendwie, man hängt zusammen auf der Plaza, vor der kneipe, bei der Tankstellen herum plaudert mal da mal dort und kommt mit zig interessanten Leuten und Geschichten in Kontakt. Sehr offen und sympatisch die Leute! Viele mit schicken Geländewagen und derben Soundsystem - sodass die Strasse bis in die mittagsstunden zur Disko umfunktioniert wurde. Hat Spass gemacht. Um ca 7uhr stiess, angeführt durch einen Priester mit Megafon, eine "strengreligöse", prozessierende Kirchengruppe auf unsere "Orgie". Was für ein Bild! Der Priester tadelte uns augenzwinkernd als "frittierte und panierte Teufelchen" und führte nach einem gemeinsamen "Vater unser" seine (ca 20 köpfige) Prozession fort.
interessant ist auch, dass die meisten Oxapampinos, historisch bedingt, mit irgendwelchen Wurzeln in Europa aufwarten können: das reicht von deutschen (mehrheit) über italiener bis tschechen. Oxapampa ein Melting Pot a la New York mitten in der Selva ;-) Faszinierend wenn man die Geschichte so hautnah erfahren kann...
Schade nur, dass der ganze Spuk schon wieder vorbei und in Oxa für die nächsten Monate wieder Normalität und Ruhe einkehrt...

 
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